umgekehrter Kulturschock

– eine verzweifelte Suche nach dem Glück.

die dich übrigens aber nicht davon abbringen sollte, in die Welt hinaus zu gehen um deinen Horizont zu erweitern.

NZ_2015_0134

Als Reisender ist deine Zeit begrenzt und dadurch kostbar. Du erfährst die absolute Freiheit, lebst den Moment und tust Dinge, die dich glücklich machen. Ein Lagerfeuer unterm Sternenhimmel, ein Picknick am Strand, eine Wanderung durch atemberaubende Wälder und Berge. Kurz gesagt: Du erfährst Momente des absoluten Glücks.

Kommst du von dieser Freiheit zurück nach Hause, in ein vorgefertigtes, behütetes Nest, wird es schwierig. Schwierig im Sinne von – eigentlich undenkbar. Zumindest erging es mir so.

Wie die ersten Monate meiner Rückkehr für mich waren und was das Reisen für eine Auswirkung auf mich hatte, könnt ihr im Folgenden nachlesen:

25.04.2016  (2 Monate nach meiner Rückkehr)

Stundenlang sitze ich vor meinem Tablet, scrolle mit meinem Daumen von oben nach unten, setze ihn ab, beginne wieder von Neuem. Ich scrolle mich gefühlte 5 km am Tag durch zahlreiche Blogs und Webseiten, auf der Suche nach dem richtigen Etwas…ja, richtig, nach was denn überhaupt?

Zudem fühle ich mich jeden Tag von Neuem so, als müsste ich über tausende von Schatten springen, um überhaupt erst einmal aus dem Bett zu kommen, geschweige denn zur Arbeit zu gehen. Was soll es mir bringen von 8-5 die selbe Arbeit zu tun, ohne etwas für mich selbst getan zu haben?

Das ist er wohl, der so genannte „umgekehrte Kulturschock“ und er hat mich voll erwischt. 

Meine Gedanken drehen sich ständig nur um mich und meine Zukunft. Ich kann nichts mehr genießen, ohne dabei zu denken: Entwickle ich mich dadurch weiter? Bringt mir das nun etwas? Oder bleibe ich lieber Zuhause und lese eines von meinen 10 Selbstfindungs-Büchern? Ich erwarte zu viel von mir selbst und schaffe letztendlich irgendwie gar nichts. Zudem kommt, dass mein Zimmer mir noch immer fremd vorkommt und alle um mich herum mit dieser Lebensweise irgendwie zurecht zu kommen scheinen. 

Wo soll ich hin?

Ich glaube, ich bin überfordert mit der Tatsache tausende von Möglichkeiten zu haben, ohne auch nur einen Hauch von einer Ahnung zu haben, welche davon die Richtige ist. Soll ich in eine eigene Wohnung ziehen, studieren gehen, arbeiten gehen oder doch einfach wieder reisen? Das schlimme ist dass mir niemand die Fragen beantworten kann, außer ich selbst. Dazu kommt noch die Angst, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen, mich wieder vom Alltagstrott mitreißen zu lassen, auf der Stelle zu stehen und nicht voran zu kommen. 

Wann hört es auf? 

Jeden Tag hoffe ich auf irgendein Zeichen des Universums und darauf, dass meine Gedanken sich bald wieder beruhigen. Auch mein gesteigertes Selbstbewusstsein, das ich mir auf meiner Reise erfolgreich angeeignet habe, wird von Tag zu Tag weniger. 

Ich glaube immer noch, dass es die beste Entscheidung für mich ist, einfach wieder zu gehen, da ich mich in Deutschland wohl eher in die entgegengesetzte Richtung entwickeln müsste, um mich einigermaßen wohl zu fühlen. Ich müsste meinen Freiheitsdrang unterbinden, mir eindeutig weniger Dokus und Reisebücher kaufen und die Sache irgendwann einfach ganz unter den Tisch kehren und so tun, als wäre das alles nie mit mir passiert. Doch eigentlich weiß ich, ich möchte meine Bestimmung finden, meine Persönlichkeit entfalten und kurz gesagt: leben. Und das ist hier momentan irgendwie nicht möglich. 

Was mir hilft, sind Texte anderer Reisender.

Lese ich mir andere Reiseblogs durch, fühle ich mich verstanden. Es gibt mir das Gefühl mit meiner Einstellung, dass wir weniger arbeiten sollen und grundsätzlich mehr leben, nicht allein zu sein und es gibt mir außerdem die Kraft zu glauben, dass es die Richtige ist. Eigentlich weiß ich, dass es die Richtige ist, es ist nur schwierig, sich nicht mit einem Gleichdenkenden darüber unterhalten zu können, da alle anderen um mich herum das auszublenden scheinen…

So in etwa ging es mir täglich.

Wenn ich diese Zeilen im Nachhinein lese, ist es schockierend was eine Reise in und mit einem anstellen kann. Ich wusste, dass die Heimkehr nicht einfach für mich sein wird, doch das es solch negative Auswirkungen hat, hätte ich nicht erwartet. Doch ich habe auch aus dieser Zeit vieles gelernt und möchte auch diese nicht missen. Ich denke es ist wichtig, gerade auch für jüngere Menschen, durch solch einen Prozess zu gehen, um zum Einen herauszufinden wer man ist und zum Anderen in welche Richtung man sich entwickeln möchte.

 

Rückblickend kann ich sagen, was mir einzig und allein geholfen hat war Zeit. Sie vergeht oft viel zu schnell, doch manchmal brauchen wir sie, um mit Situationen und Gefühlen abschließen zu können. Ich brachte meine Gedanken von Tag zu Tag besser unter Kontrolle und fand mich langsam wieder in mein altes Leben ein. Ich begann zu begreifen, dass ich mir mein Leben durch meine negativen Gedanken nur selbst erschwere. Also begann ich sie zu ordnen. Ich begann Blogs zu lesen mit Beträgen die mir Kraft gaben, ich las Bücher übers Reisen, über Selbstfindung und innere Lebensfreude. Ich konzentrierte mich auf mich selbst, versuchte meine negativen Gedanken durch Positive zu ersetzen. Machte Yoga und meditierte ab und an, versuchte mich auf das Jetzt zu konzentrieren und mich nicht ständig mit meiner Zukunft oder meiner Vergangenheit zu beschäftigen. Ich brachte mir bei, meine Situation zu akzeptieren und das Gute in den Dingen um mich herum zu sehen. Und es funktionierte.

Heute geht es mir super und ich habe mich wieder komplett Zuhause eingelebt. Ich bin so dankbar für meine Familie und meine Freunde, die in der Zeit immer hinter mir standen und freue mich sehr auf meine Zukunft und natürlich auf jede weitere Reise.

Vor meiner Neuseeland-Reise ließ es sich Zuhause einfacher leben, da ich das Leben einfach so nahm wie es war. Heute weiß ich, nur ich alleine habe mein Leben in der Hand, kann etwas ändern und so leben, wie ich wirklich will.