Interrail – mit dem Zug durch die Schweiz

Nach einem dreiviertel Jahr harter Arbeit, wurde es für mich auch mal wieder Zeit eine kleine Auszeit zu nehmen. Ich wollte in die Berge, ich wollte wandern und am liebsten in den Winterurlaub. Also entschied ich mich für ein kleines Interrail-Abenteuer mit meiner Kamera, meinem Rucksack und mir – quer durch die Schweiz.

Ich versuchte so wenig wie möglich einzupacken, es war aber letztendlich doch wieder zu viel. Zu meiner Verteidigung: es war hauptsächlich Winterkleidung! Ich nehme mir aber vor, mein Reisegepäck von Reise zu Reise zu verringern, um mir selbst zu beweisen, dass jeder Mensch – und somit auch ich – sehr gut mit weniger auskommen kann. Weniger ist mehr, wie man weiß.

Stop No. 1 – Zürich

Naja, also dann fangen wir mal an. Mein erster Stop war das wunderschöne Zürich. Ich war sofort hin und weg! Wunderschöne Altbauten direkt am Wasser, der wohl schönste Weihnachtsmarkt, den ich je gesehen hatte und süße kleine enge Gassen, geschmückt mit vielen, bunten Lichtern und jede Menge Weihnachts-Bling-Bling. Da ich allein unterwegs war, gab es nicht viel zu Reden und ich konnte die Schönheit der Stadt und das Weihnachts-Flair in Ruhe auf mich wirken lassen. Ich lief durch die Straßen und genoss die Freiheit, wie ich sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr genießen durfte. Hier ein kleines Dankeschön an mich selbst, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Schließlich hätte ich ja auch daheim bleiben können, da keiner Zeit oder Lust hatte mich zu begleiten, doch wenn ich schon einmal Urlaub hatte, musste ich das ja auch ausnutzen.

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Am nächsten Tag lief ich erst einmal zum Bahnhof um mir leckeres Essen und Info-Material über die Must-Do’s von Zürich zu holen. Ich beschloss den Uetliberg hoch zu fahren und ließ mir die nötigen Fahrpläne und -tickets am Automaten raus. Zu meinem Glück waren das sogar die Richtigen. Oben hieß es dann – super Aussicht genießen und Freiheit pur!

Anschließend fuhr ich wieder in die Stadt und lief in ein kleines Retro-Viertel um mich dort noch ein wenig umzuschauen. Viele viele kleine Retro-Läden mit Vintage und Designer-Artikeln aller Art erwarteten mich. Für eine hoffentlich-bald-Design-Studentin wie mich war es wirklich sehr inspirierend!

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Ich verbrachte den Nachmittag dort und ging gegen Abend zurück ins Hostel um mich frisch zu machen für einen abendlichen Weihnachtsmarkt-Walk. Wunderschön!

Ich muss sagen, Zürich ist wirklich eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe.

 Next Stop – Luzern

„Luzern ist noch schöner als Zürich“ meinten einige Reisende am Vortag noch zu mir, doch am nächsten Tag spielte das Wetter leider nicht ganz so mit. Luzern war durchgängig neblig und trotz Hafen und Weihnachtsmarkt nicht ganz so schön, wie ich es mir erhofft hatte. Ich versuchte das Beste daraus zu machen und zog von Stand zu Stand des Luzerner Weihnachtsmarktes. Doch da der graue Himmel ganz schön auf mein Gemüt schlug, beschloss ich dem Nebel zu entfliehen.

Wie ich das machte? Naja, in der Schweiz gibt es ja auch noch die Berge und wie man weiß, liegt deren Spitze meist über den Wolken. Also beschloss ich, mit der Bergbahn auf den Luzerner Hausberg namens „Rigi“ zu fahren. In der Schweiz hat jede größere Stadt einen Hausberg, der als Aussichtspunkt oder Touristenattraktion dient, so übrigens auch der Uetliberg in Zürich, sehr cool! Ich genoss die Sonne und die wunderschöne Aussicht, die mir dieser Berg bot. Jedenfalls so weit es (aufgrund der hohen Dichte an asiatischen Selfiestick-Touristen) möglich war. Doch zum Glück war der Berg groß genug und ich konnte mich etwas von der asiatischen Masse entfernen.

Ich begann mich zu fragen, wie die Bergbewohner wohl Ihre Lebensmittel oder allgemein Ihre Möbel auf den Berg hoch bekommen? Straßen gab es kaum.

Naja, vielleicht per DHL Luftfracht oder der neusten Drohne? Das muss ich auf jeden Fall noch herausfinden. Von Lebensmittel-Läden war jedenfalls absolut keine Spur. Ich lief noch ein, zwei Stündchen weiter, doch dann war ich wirklich am verhungern.

Unten angekommen, trieb mich der Hunger dann in einen kleinen Laden, in dem ein Butterbrötchen ungefähr so viel kostete, wie bei uns zehn davon. Mir egal – ich hab Urlaub, war mein Gedanke, und außerdem habe ja schließlich nicht umsonst fast ein Jahr gearbeitet.

Und ich habe mir vorgenommen, mir grundsätzlich nicht zu viele Gedanken um Geld zu machen. Nein ich habe nicht viel davon, aber ich bin der Meinung, dass wenn man sich zu viel um sein Geld sorgt, verliert man es auch wieder. Geld ist Lebensenergie, ist diese in Fluss, bleibt es auch das Geld, habe ich zumindest mal gelesen. dsc_6068

Nachdem ich mein Brötchen gegessen hatte, setzte ich mich in die Fähre und fuhr zurück nach Luzern.

Da sich auch am nächsten Tag das Wetter nicht besserte, beschloss ich weiter zu fahren. Das ist das Schöne am Interrail-Ticket, man kann fahren wohin man will. Natürlich nur innerhalb der Schweiz – zumindest war das bei mir so, da ich nur einen One-Country-Pass hatte. So fuhr ich nach Interlaken.

Stop No. 3 – Interlaken

Interlaken ist ein kleines Dörfchen, umgeben von Bergen und endlich wieder wunderschönem Wetter – ich hatte sogar Sonnenbrand, was bei mir aber des öfteren vorkommt.

Jedenfalls fuhr ich mit der Bergbahn hoch auf die kleine Scheidegg. Ich gönnte mir einen Apfelpunsch und und setzte mich auf eine Bank in die Sonne. Das war dann auch schon fast mein Mittwoch – übrigens immer noch allein, aber keineswegs einsam. Ich begann weiter hoch zu laufen und Fotos von der Berglandschaft zu machen. Dort traf ich auf einen Schweizer mittleren Alters, der ebenfalls zum Fotografieren dort oben war. Er war Unternehmer, wohnte ganz in der Nähe und hatte es innerhalb der letzten 10 Jahre nicht einmal geschafft, sich den Berg von oben anzuschauen. Schon verrückt,…wie können wir Menschen so sehr in unserem Alltag gefangen sein, dass wir all die Schönheit um uns herum nicht mehr wahrnehmen? Traurig irgendwie, oder? Ich hoffe das wird mir nie passieren. Naja, immerhin hatte er es jetzt geschafft – besser spät als nie, wie man sagt.

Am Tag darauf wollte ich unbedingt Gleitschirm fliegen gehen! Doch das Flugzeug flog nur zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Tagen, an bestimmten Orten und zudem außerhalb meiner geplanten Reisetage. Es sollte wohl nicht sein – Schade.

Da ich aber irgendetwas außergewöhnliches erleben wollte, beschloss ich hinauf zum Jungfraujoch – the Top of Europe oder auch der höchste Bahnhof Europas zu fahren. Es kostete mich ein halbes Vermögen, aber was ist schon das Geld im Vergleich zu solch einer Erfahrung. Sie war es wirklich, wirklich Wert und ich kann diese Sehenswürdigkeit nur Jedem weiter empfehlen! Ich habe noch nie so viel Schönheit auf einmal gesehen oder zumindest schon lange nicht mehr…Für mich sind die Berge das wohl schönste Natur-Element, neben Wasser natürlich.

Ich atmete die kalte Bergluft ein und genoss den Moment, der wohl ewig in meiner Erinnerung bleiben wird.

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Ich war sehr froh diesen Ausflug gemacht zu haben und fuhr, nachdem die Sonne fast schon wieder ganz unterging zurück in mein Hostel. Es ist verrückt, das die Zeit, die ich im Büro verbrachte wirklich quälend langsam verging, während die Zeit, in der ich wirklich etwas erlebe, wie im Flug vergeht. Unfair!

Stop No. 4 – und somit mein letzter Stop – war Zermatt

Da ich das Gleitschirmfliegen endgültig von meiner Liste streichen musste, fuhr ich am nächsten Tag nach Zermatt – zum Matterhorn. Leider nur für eine Tagestour.

Es war eine wunderschöne 2-stündige Zugfahrt und ich hatte zum Glück mal wieder superduper Wetter! Da mir die Sehenswürdigkeiten inzwischen wirklich zu teuer waren, beschloss ich einfach nur zu wandern und anschließend in das Museum zu gehen, das an diesem Tag zu meinem Glück sogar kostenlos war! Ich kam mir inzwischen vor wie ein Student und das, obwohl ich in Deutschland wirklich nicht schlecht verdient hatte. Ich wusste ja dass die Schweiz teuer ist, zumindest hatte mich jeder vorgewarnt, aber das mir das nach einer Woche schon so viel ausmacht, hätte ich nicht von mir erwartet – schließlich war es in Neuseeland auch nicht günstig und ich war sowieso nie geizig, was das anging. Vielleicht war es die Tatsache, das ich mein hart verdientes Geld nicht einfach so ausgeben wollte, ohne wirklich etwas davon zu haben. Ja, das wird’s gewesen sein…kleine Erinnerung – Geld kommt und geht.

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Ich fühlte mich übrigens auch ohne Sehenswürdigkeit wie Heidi…und das Museum war auch super interessant. Da um 5 mein letzter Zug zurück fuhr, machte ich mich dann auch schon wieder auf ins Hostel, um am nächsten Tag pünktlich um 8 Uhr auszuchecken und mich mit einem gemischten Gefühl auf den Weg zurück in die Heimat zu machen.

Mein Fazit: Eine Woche komplett alleine zu reisen, ist die beste Möglichkeit, um Abstand zum Alltäglichen zu gewinnen, neue Eindrücke zu sammeln, die Ruhe zu genießen und somit wieder mehr zu sich selbst zu finden. Ich würde es jederzeit wieder tun.

Das war auch schon mein kleines aber feines Abenteuer. Die Schweiz ist wunderschön und ich kann es nur jedem empfehlen sich von den Bergen und den schönen Städten verzaubern zu lassen. Nur bloß den Geldbeutel nicht Zuhause vergessen!

Bis bald, eure Lori!

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