Abschied

…über den Abschied redet irgendwie keiner,

doch wie wir alle wissen hat jedes Abenteuer leider auch ein Ende und dann heißt es Abschied nehmen. Doch Abschied bedeutet Neuanfang und ein Neuanfang ist schließlich nichts schlechtes, oder?

Neu anzufangen heißt, in ein neues, komplett anderes Leben einzutauchen, in ein anderes Umfeld mit anderen Menschen und anderen Umständen. Man kann sich wieder neu erfinden und seinen eigenen Tagesablauf neu gestalten. Man hat aus seinem vorherigen Leben viele Dinge gelernt, die man nun auf das jetzige übertragen kann und vieles mehr.

Ein Neubeginn ist doch also positiv, oder nicht?

Nicht nur, ein Neubeginn bedeutet auch Arbeit. Es bedeutet, sich wieder neu orientieren zu müssen, sich umzustellen und sich auf Neues oder Altes einzulassen. Ein Neubeginn ist nicht einfach und erfordert viel Kraft und vor allem Geduld. Denn man baut sich sein Leben schließlich nicht von heute auf morgen auf…gute Dinge brauchen Zeit.

Doch Zeit ist begrenzt

Das war der Konflikt mit dem ich sehr kämpfen musste, nachdem ich Zuhause ankam. Ich habe mir Ziele gesetzt um meine Zeit nicht zu verschwenden ohne etwas sinnvolles getan zu haben. Ich wollte Listen erstellen mit meinen nächsten Reisezielen, wollte so schnell wie möglich ausziehen, studieren und aus meiner alten Heimat verschwinden. Doch letztendlich wurde mir bewusst, dass ich zuerst einmal Ankommen und gleichzeitig Abschied nehmen musste.

Sich selbst Zeit zu nehmen um sich von all den Orten und Menschen zu verabschieden ist wichtig, um sich auf Neues einzulassen zu können. Ich musste mich erst einmal wieder an mein Zuhause, an den Lebensstil und an die Menschen um mich herum gewöhnen und akzeptieren, dass Neuseeland nicht auf ewig mein Zuhause war. Ich verbrachte ein Jahr in einem anderen Land, klar konnte ich das nicht innerhalb einer Woche einfach hinter mir lassen. Neuseeland hat mich sehr geprägt und mich in gewisser Weise zu einem anderen Menschen gemacht.

Was ich mir für mein Leben nach Neuseeland vorgenommen habe ist den „Schwung“ nicht zu verlieren und mir immer vor Augen zu halten, dass außerhalb Deutschlands noch viel viel mehr auf mich wartet.

mein Abschied in Neuseeland

Am Abend vor meiner Abreise hatten meine Freunde und ich noch ein letztes Leaving-Barbecue. Ich realisierte gar nicht, dass ich 24 Stunden darauf schon im Flieger sitzen werde, auf dem Weg ins kalte Deutschland. Wir haben meine letzten zwei Wochen noch einmal richtig ausgenutzt und alle so viel Zeit wie möglich miteinander verbracht. Ich muss sagen, es waren die schönsten und gleichzeitig die intensivsten zwei Wochen meiner ganzen Reise. Es fiel mir sehr schwer alles einfach so hinter mir zu lassen, gerade auch weil ich nicht mal eben für einen zwei-wöchigen Urlaub hinfliegen kann. Doch der Gedanke „Wir sehen uns sowieso wieder“ macht die ganze Situation etwas erträglicher und ich bin fest davon überzeugt, dass ich in ein paar Jahren noch einmal hingehe oder wir uns irgendwo in der Welt noch einmal sehen werden.

Ich wusste, ich werde Neuseeland verlassen und einige Menschen werden nie wieder einen Gedanken an mich verschwenden – traurig aber wahr. Es wird so sein, als wäre man nie da gewesen. Man hinterlässt eine winzig kleine Fußspur, eine unter tausenden und diese zu vergleichen mit der Fußspur die Neuseeland in mir hinterließ ist unmöglich.

Trotz allem möchte ich mich nach diesem Jahr erst einmal beruflich umorientieren und eine Basis für später schaffen um danach beruhigt weiter reisen zu können. Denn was eindeutig für Deutschland spricht, ist wohl unser Bildungssystem.

Was meine Situation, zurück in Deutschland, für mich leichter machte, war ganz viel Zeit mit meiner Familie und vor allem mit meinen Freundinnen zu verbringen. Doch auch der Kontakt zu meinen Freunden in Neuseeland war für mich unvermeidlich. Mir war klar, dass dieser sich mit der Zeit abschwächen würde, doch es tat mir gut zu wissen, was sie machen und vor allem auch, dass es auch nicht einfach für sie war, sich an ein Leben ohne mich zu gewöhnen. Denn jetzt, nachdem ich auch schon fast wieder ein paar Wochen Zuhause bin, kann ich sagen, dass alles wirklich nur eine Sache der Gewohnheit ist. Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier.

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